Caritas-Kampagne 2020

Über die Diffamierung eines Begriffs und den Versuch der Umdeutung. Die Caritas-Kampagne 2020 steht für Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft ein.

 

 

2015 wurde "Gutmensch" zum Unwort des Jahres gekürt. Eine Jury aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten erinnerte in der Begründung daran, dass das Wort schon seit langem verwendet würde, doch im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema besonders prominent geworden war. Im Jahr 2011 war "Gutmensch" auf Platz zwei gelandet

 

In der Begründung führte die Jury weiter aus: Mit dem Vorwurf "Gutmensch", "Gutbürger" oder "Gutmenschentum" werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm oder weltfremdes "Helfersyndrom" diffamiert.

 

Der Ausdruck ,Gutmensch‘ floriert dabei nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff, sondern wird hier und dort auch schon von Journalisten in Leitmedien benutzt. Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindert somit einen demokratischen Austausch von Sachargumenten.

 

Scheuklappen sind nicht hilfreich, um Vielfalt wahrzunehmen, Unterschiedlichkeit auszuhalten, den Konsens zu suchen. In einer diversen Welt, in der unterschiedliche Milieus, Kulturen, Nationen und Religionen es notwendig machen, sich in konstruktiver Weise auseinanderzusetzen und nach Konsens zu suchen, sind Toleranz und Respekt wichtig. Und ein fast altmodisch anmutender Begriff erfährt seine Renaissance: Solidarität.

 

Hier setzt die Caritas-Kampagne "Sei gut, Mensch!" an. Sie fordert zu solidarischem Verhalten mit Menschen in Not auf. Diese Solidarität kann sichtbar werden in konkretem Handeln, in konkreter Hilfe und sie kann sichtbar werden in politischer Aktion und politischen Forderungen. Der Verweis auf das Leitbild des Deutschen Caritasverbandes bietet sich an: Der Deutsche Caritasverband "setzt sich für Menschen ein, die am Rande der Gesellschaft leben, die öffentlich keine Stimme haben und die sich nicht selbst helfen können. Er verschafft ihren Nöten und Anliegen Gehör und unterstützt sie bei der Wahrnehmung ihrer Rechte. Er tritt gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen entgegen, die zur Benachteiligung von Einzelnen und Familien oder zur Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen führen".

 

Im Rahmen der Caritas-Kampagne werden Menschen vorgestellt, die auf ganz unterschiedliche Weise empathisch und solidarisch sind mit anderen. Sie engagieren sich in der Not- und Katastrophenhilfe von Caritas international; sie verhindern, dass Lebensmittel auf dem Müll landen; sie fahren virtuelle Autorennen mit Senioren; sie begleiten trauernde Kinder und Jugendliche und sie engagieren sich in Demokratie-Projekten.

 

Sie arbeiten in Einrichtungen und Diensten der Caritas, sie engagieren sich ehrenamtlich und freiwillig bei der Caritas oder bei anderen Organisationen und Vereinen. Jede und jeder Einzelne von ihnen zeigt, dass man einen Beitrag leisten kann - ganz gleich wie groß oder klein er sein mag - um das soziale Miteinander in unserer Gesellschaft und weltweit zu bewahren.

 

Alle sind "gute" Menschen. Das heißt aber keineswegs, dass diese Frauen und Männer und Jugendlichen naiv oder leichtgläubig sind, dass sie einfältig oder Träumer sind. Ganz im Gegenteil. Sie sind Menschen, die sich anrühren lassen; die anpacken können und wollen; die bereit sind, ihre Zeit, ihre Aufmerksamkeit und auch materielle Dinge zu teilen. Sie sind Menschen, die im Leben stehen, die Arbeit, Freunde und Familie haben, und die dennoch Zeit und Kraft finden, für andere da zu sein. Mal in einem zeitlich befristeten Projekt, mal für mehrere Jahre, manchmal nur für eine Aktion. Sie wollen Verantwortung übernehmen über das eigene Umfeld hinaus. Ihnen ist wichtig, Schwachen eine Stimme zu geben. Ihnen ist wichtig, sich politisch zu engagieren

 

"Gutmensch" wurde zum Unwort, weil dieser Begriff Hilfsbereitschaft und Toleranz diffamiert. Zudem hat die Jury darauf hingewiesen, dass der Begriff durch seine fehlende Sachlichkeit eine demokratische, gewinnbringende Diskussion verhindert. Die häufige und missbräuchliche Verwendung des Begriffs durch Populisten hat die negative Konnotation des Begriffs ermöglicht und verstärkt.

 

An dieser Stelle Widerstand zu leisten und den Versuch zu wagen, die Perspektive zu drehen - nicht nur mit Blick auf die Verwendung des Wortes "Gutmensch", sondern auch auf entsprechende Debatten -, ist auch ein Ziel der Kampagne. Es ist ein zugegebenermaßen ambitioniertes Vorhaben, das auch herausfordern wird. So werden wir uns im Kampagnenjahr 2020 darauf einstellen müssen, dass es Widerspruch und Häme geben mag. Wir müssen mit Verunglimpfung rechnen, mit Hass, mit übler Nachrede. Doch wir wollen ganz bewusst ein Zeichen setzen:

 

Ein guter Mensch zu sein darf nicht verunglimpft werden!

 

 


 

Wir wollen die Bedeutung des Wortes drehen

 

 

Die Caritas will mit der Kampagne ihren Beitrag gegen diese Diffamierung leisten. Wir wollen die Bedeutung des Wortes "drehen", wir wollen das Negative umkehren in das Positive. Das ist ein großer Anspruch, ob es gelingt, ist offen. Aber wir müssen es versuchen.

 

Gutes Leben für alle ist nur möglich, wenn der Zusammenhalt bewahrt wird, wenn Menschen füreinander einstehen. Dazu leisten die vielen Mitarbeitenden der Caritas in all den Einrichtungen und Diensten jeden Tag ihren Beitrag. Dies unterstützen viele Tausend Ehrenamtliche und Freiwillige in der Caritas und bei vielen anderen Verbänden, Vereinen und Organisationen.

 

 

 

 

In diesem Sinn ist die Kampagne zu verstehen: Gemeinsam mit vielen solidarisch handeln für den Zusammenhalt und ein gutes Miteinander. Sei gut, Mensch!

 

 

 

 


 

Videos zum Jahresthema:

 


 

 

 

Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie hier: Sei gut, Mensch!

 

 

 

 


vgl. Beck, Claudia (2020): "Lasst uns alle Gutmensch sein".

URL: https://www.caritas.de/magazin/kampagne/sei-gut-mensch/hintergrund/lasst-uns-alle-gutmensch-sein

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